Helgoland – Norderney

Etappe 2: 45,9 Seemeilen / 27.06.2026

Wir erreichen die Insel Norderney nach einem ruhigen Tag auf See von Helgoland aus. Eine Gewitterfront zieht am Abend auf, und wir haben die Route zeitlich so gelegt, dass wir unter allen Umständen rechtzeitig im Hafen von Norderney Schutz finden. Tim kennt sich gut aus auf der Nordsee und weiß, die Gezeitenströmungen zu unserem Vorteil zu nutzen.

Dieser Tag sollte von ständigen Test Alarmmeldungen, aber auch echten Seenotfällen über Funk, Kanal 16, geprägt sein. Jedes mal geht ein lauter akustischer Alarm los, der quittiert und dokumentiert werden muss. Wir sind jedoch nicht in der Nähe der Hilfesuchenden und setzen unseren Kurs fort. Die Rettungsmaßnahmen werden von Bremen Rescue und Lyngby Radio aus Dänemark koordiniert.

Nach einer langen Fahrt mit eher schwachem Wind, abwechselnd unter Segeln, dann wieder unter Maschine, steuern wir schließlich über das Dovetief von Nordosten kommend auf die Ansteuerung des Hafens von Norderney zu. Der dänische Traditionssegler, an dem wir später im Hafen längsseits die Gewitternacht verbringen werden, hat direkt vor unseren Augen und im AIS; dem automatischen Identifikationssystem der Seefahrt; deutlich eine Grundberührung und plötzlich 0.0 Knoten Fahrt. Mit ähnlichem Tiefgang. Wir sind einfach etwas zu früh dran, das Niedrigwasser ist noch nicht lange genug her, und so fragen wir das Berufsschiff Enterprise um Rat. Wir stehen nun vor der Entscheidung, erneut Seeraum zu gewinnen, um auf die Flut zu warten, dabei laufen wir jedoch Gefahr, in die sich anbahnende Gewitterfront zu geraten. Die andere Alternative ist die langsame und vorsichtige Einfahrt über das Dovetief, welche die Gefahr birgt, ebenfalls den Grund zu berühren. Mit dem auflaufenden Wasser wäre dies jedoch nicht weiter tragisch, sondern nur eine Frage der Zeit, bis es weiter ginge. Das Gewitter ist noch weit genug weg. Das Segelschiff vor uns kann sich nun auch wieder befreien. Die Besatzung der Enterprise kennt das Revier und fährt auch auf ein paar Worte zum Traditionssegler hinüber. So entscheiden wir uns für die zweite Variante. Tim navigiert vorsichtig durch das Dovetief, während ich laut und deutlich die sich ständig verändernde Handbreit Wasser unter dem Kiel durchgebe. Immer wieder stoppen wir auf, da der Tiefenmesser 0,0 m unter dem Kiel anzeigt, können jedoch zum Glück keine Grundberührung feststellen. Wahrscheinlich wachsen dort viele Wasserpflanzen. Also geht es im Schneckentempo weiter. Schließlich ist es geschafft. Zwei weitere Boote folgen langsam unserem Kielwasser. Das beeindruckende Wetterleuchten beobachten wir vom sicheren Hafen aus. Dieses wird zu grellen Blitzen, welche die Nacht taghell erleuchten, im Wechsel mit krachendem Donner.

Am nächsten Tag legen die sympathischen Dänen ab und wir wechseln den Liegeplatz hin zu einem Schwimmsteg. Die Austern an den Spundwänden spucken im hohen Bogen empört Wasser aus, wenn man auf dem Steg bei Niedrigwasser läuft. Ein interessantes Phänomen.

Am Dienstag geht es weiter in Richtung Borkum.


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2 Antworten zu „Helgoland – Norderney“

  1. Avatar von lsdmili1833
    lsdmili1833

    wow super schiff und Ihr beiden seid echt toll! Viel erfolg und gute Reise!

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    1. Avatar von SV NALU
      SV NALU

      Danke! 🙂 wir freuen uns sehr, all die Reiseerlebnisse mit euch zu teilen.

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