IJmuiden-Scheveningen

Scheveningen und das mysteriöse Zahlenschloss

Etappe 6 / 26,6 Seemeilen / 08.07.2026

Am 08.07.2026 geht es weiter nach Den Haag, Scheveningen. Ein kurzer Schlag von 26,6 Seemeilen bei halbem Wind und ruhiger See. Die Sonne lacht. Die Soulmate segelt neben uns. Der Strom schiebt mit. 9 Knoten Fahrt. Das Feld ringsum gleicht dem einer Regatta, so viele Segelboote sind hier unterwegs. Auweia! Wollen die etwa alle nach Scheveningen?

Tatsächlich ja.   

Es mag an der Kombination von schönem Segelwetter, Wochenende und baldigem Ferienbeginn in den Niederlanden oder auch am berühmten North Sea Jazz Festival liegen, das an jenem Wochenende nebenan in Rotterdam sein 60 jähriges Jubiläum zelebriert. Jedenfalls haben wir riesig Glück und sind zeitig genug da, um noch einen guten Platz im Päckchen von der Hafenmeisterin zugewiesen zu bekommen. Alle Boote müssen mit dem Bug in Fluchtrichtung festmachen. Nur wenige Minuten später liegen die Boote schon so dicht, dass ein Wenden für uns hier drin undenkbar gewesen wäre. Rückwärts wäre das Anlegemanöver doch um einiges komplizierter geworden. Wir sind beeindruckt, als so manches Segelboot sich geschickt rückwärts durch Engpässe hindurchmanövriert und man übers Wasser gehen könnte, da es keine Lücke mehr gibt, die nicht von einem Boot eingenommen worden wäre. Auch unser Päckchen hat sich erweitert.

Bereits am nächsten Morgen ist der Andrang vorübergehend vorbei und viele Boote sind schon früh wieder unterwegs. Unsere Freunde von der Soulmate haben sich einen Platz im U-Hafen gesucht. Eigentlich kein offizieller Sportboothafen, doch wir haben beim Hafenmeister angefragt. Dorthin verholen wir Nalu am nächsten Morgen ebenfalls. Die Nähe zu unseren Freunden, zum Strand, zum Wellenreiten und die wesentlich günstigeren Liegegebühren locken uns. Eine Woche werden wir hier in Scheveningen verbringen. Tim geht mindestens dreimal täglich “die Wellen checken” und verbringt viel Zeit auf dem Wasser.

Ich unternehme eine kurze Heimreise in Tims 2,5 Stunden entfernte Heimat in Deutschland und nutze die Gelegenheit, noch einige Ausrüstungsgegenstände mitzubringen. Am Wochenende bekommen wir Besuch aus Aachen mit 60 Eiern aus erster Hand vom befreundeten Bio-Hof im Gepäck. Seitdem gibt es bei uns sämtliche Gerichte für die viele Eier Verwendung finden. Wir freuen uns riesig über den Besuch und haben eine tolle Zeit. Unser Besuch sagt am Strand: “ Die Mole sieht aus, als ob ein Riese mit Kühlschrankmagneten gespielt hätte”.

An einem windigen Strandtag, ich halte das schattenspendende Tarp im Zaum, will Tim mal eben sein Surfboard von Bord holen. Eigentlich keine große Sache. Als er jedoch nach einer Dreiviertelstunde wiederkommt, ist er wutentbrannt. “Am Hafentor war ein Vorhängeschloss und ich konnte mich gerade so noch hindurchquetschen. Ich war so sauer, dass uns jemand ausgesperrt hat, da hab ich das Schloss einfach kaputtgeflexxt”.   

Wir wundern uns sehr, können jedoch nur mutmaßen, wer das Schloss angebracht hat. Die Fahrer der schnellen Schlauchboote für die Touristen und die Crew der Rennsegelyacht Iajo wissen jedenfalls von nichts. Die Soulmate war zu diesem Zeitpunkt schon weiter nach Belgien gesegelt. Am nächsten Tag ist alles ruhig, doch bereits am 15.07., einen Tag vor unserer Weiterreise, beobachten wir vom Decksalon aus, wie ein Mitarbeiter der Hafenbehörde wieder von außen ein Vorhängeschloss mit Zahlencode am Tor anbringt. Einfach so! Ohne ein Wort mit den Menschen im Hafen gesprochen zu haben. Blitzschnell verschwunden ist er auch. Daraufhin sprechen wir mit den anderen eingesperrten Menschen und einem der ortsansässigen Crewmitglieder gelingt es, telefonisch den Code zu bekommen.

Er hängt das Schloss beiseite. Fürs erste sind wir wieder freie Menschen. Auf dieses Spiel mit dem Schloss haben wir aber so langsam keine Lust mehr. Was soll das bitte!? Es wirkt auf uns so, als wollte man uns spüren lassen, dass Sportboote hier unerwünscht sind. Dieser Umstand und der viele Müll, der täglich ins Hafenbecken schwimmt, bestärken unseren Wunsch nach einem Ortswechsel. Wir planen die nächste Etappe akribisch mit den Gezeiten und über Nacht bis Boulogne-sur-mer. Frankreich, wir kommen!


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