Cherbourg- Alderney

Etappe 9 / 24.07.2026 / 25 Seemeilen

Unser nächstes Ziel sind die Channel Islands im südwestlichen Teil des Ärmelkanals. Alderney gehört neben Guernsey, Jersey, Herm, Jethou, Brecqhou und Sark zu den sieben bewohnten Kanalinseln in britischem Kronbesitz. Nachdem wir unsere elektronische Aufenthaltsgenehmigung ETA über die offizielle App der UK beantragt hatten und diese prompt bestätigt wurde, geht es am darauffolgenden Tag los- Kurs auf Alderney. Strahlender Sonnenschein, 25 Grad und kaum ein Windhauch. Das tiefe Blau des unendlichen Ozeans scheint an diesem Tag einfach in das hellere Himmelblau überzugehen. Das „Cap de La Hague“ runden wir mit 7 Knoten Fahrt über Grund bei 4,5 Knoten Fahrt durchs Wasser. Der Strom schiebt anfangs ordentlich mit und kommt dann wie geplant zum Erliegen, als wir die gefürchteten Stromschnellen „Raz de Blanchard“ bei ruhigem Stillwasser passieren. Viele kleine Stromwirbel auf dem Wasser zeugen von der felsigen Untiefe, welche bei einsetzendem Strom die tückischen Stromschnellen hervorbringt.

Die Insel Alderney zeichnet sich schon bald am Horizont ab. Wir melden uns per Funk beim Hafen an und bestaunen die felsigen Klippen. Die Wellen branden selbst an einem ruhigen Tag wie diesem tosend an den Klippen. Wie spektakulär muss es erst bei Sturm anmuten!

Timing ist in diesem Segelrevier alles. Auch, wenn es darum geht, noch eine der heiß begehrten quietschgelben Mooring-Bojen zu ergattern. Wir sind um halb elf am Freitagvormittag dort und haben Glück: Mooring 18 ist die unsere! Der historische steinerne Wellenbrecher der beeindruckenden Festungsanlage schützt uns vor Wind und Wetter, vorallem den Wellen. Wie vorgeschrieben, hissen wir zunächst die gelbe Quarantäneflagge und sogleich bekommen wir Besuch vom Hafenmitarbeiter im RIB- ausstaffiert mit Customs Declaration und Kartenlesegerät. Die Zollerklärung werfen wir an Land in die vorgesehene Box. Die Q-Flagge wird gegen die Gastlandflagge der States of Alderney getauscht. Die Kronbesitzung Alderney ist der Vogtei Guernsey und direkt der britischen Krone unterstellt. Das Wappen von Alderney zeigt einen rotbewehrten, gekrönten, steigenden, goldenen Löwen auf grünem Grund, der eine Pflanze in der Hand hält.

Und schon haben wir einklariert. Wir bleiben 3 Nächte auf Alderney und erkunden die Insel zu Wasser mit dem Tandem SUP Stand Up Paddle und zu Fuß an Land.

Die Kanalinseln sind erst durch den Meeresspiegelanstieg beim Ende der letzten Eiszeit vor 10.000 Jahren entstanden. Vorher waren sie ein Teil des Festlandes. Sie bestehen aus Tiefengesteinen mit einem geologischen Alter von 0,4 bis 2,6 Mrd. Jahren. Sie sind Gipfelreste des Armorikanischen Massivs.

Die Erosion formte das heutige Bild der Kanalinseln: Jersey und Sark als hohe Steilküsten mit flachen Plateaus, während Guernsey, Alderney und Herm in ihrer Topographie von Süden nach Norden hin abfallen und flache Strände im Norden begünstigen. Insgesamt gibt es 16 Kanalinseln, 9 von ihnen sind jedoch unbewohnt. 166.000 Einwohner leben auf den 7 bewohnten Inseln. Die besondere Flora auf den Kanalinseln ist dem milden Klima durch den Golfstrom zu verdanken.

Historisch am meisten Spuren hinterlassen hat jedoch die Besetzung der britischen Inseln 1940 bis zum Kriegsende durch die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg, welche das Gesicht der Inseln bis heute durch Festungsanlagen ähnlich der Seefestung Helgoland, Bunkeranlagen und Geschütztürme, aber auch gewaltige unterirdische Tunnelsysteme prägt.

Wir haben das Glück, die Inseln Alderney und im Anschluss mit einem Zwischenstopp vor Anker vor Guernsey auch Sark bei traumhaftem Wetter erleben zu dürfen.

Es ist herrlich warm und duftet nach Bienenweide und Sommer, als wir den Wanderweg entlang der Bucht Braye Bay zum Aufstieg zur Ruine des viktorianischen Forts erkunden. Die beeindruckende Festungsanlage „Fort Albert“ thront auf der östlichen Landzunge der Braye Bay und wurde 1856 bis 1859 errichtet. Es ist nach dem Tod von Prinz Albert im Jahr 1861 nach ihm benannt worden. Ganze 43 Kanonen und Kasernen für 424 Mann gab es dort. Die Ruine kann jedoch nur von außen besichtigt werden.

Heute grasen hier nurnoch friedlich die Pferde. Kein Stromzaun ist zwischen ihnen und den steilen Gemäuern und tiefen Gräben des Forts. Sie wissen einfach, dass es hier nicht weiter geht.

Wir erkunden eine öffentlich zugängliche unterirdische Anlage aus Stahlbeton mit kompliziertem Belüftungssystem entlang des Weges. Ganz schön viele verschachtelte Räume und stockfinster und kalt ist es hier drin! Einige Gänge sind verschüttet. Auch Feuerwerkskörper wurden darin angezündet.

Lieber wieder ans Tageslicht und den herrlichen Ausblick über die malerischen Klippen und den Strand der Traumbucht Saye Beach genießen.

Alderney gefällt uns ausgesprochen gut. Es gibt sogar eine Bahn, die über die Insel fährt. Sehr idyllisch. Ein bisschen wie bei Jim Knopf auf Taka- Tuka-Land mit der Lokomotive Emma. Auch über 300 Vogelarten gibt es hier zu beobachten. Papageientaucher, Basstölpel, Eissturmvögel, Zugvögel, Falken, Eulen, Bussarde und Ornithologen aus aller Welt werden von der Insel magisch angezogen. Viele Briten kommen zum Urlaub vom Festland hierher. Jetzt wissen wir, warum.

Am 27.07.2026 segeln wir weiter über Guernsey nach Sark.


Posted

in

by

Tags:

Comments

Lass uns einen Gruß im Logbuch da!